Praktisches
Das Alltagsvelo – Langlebigkeit vs. Anschaffungskosten Aufgezeichnet von Hannes Munzinger

Die Tage werden wieder spürbar länger. Falls Sie mit dem Gedanken spielen, ein neues Alltagsvelo zuzulegen, geben wir Ihnen gerne ein paar Tipps und Erkenntnisse mit auf den Weg. Für alle, die bereits ein Pendlervelo besitzen: Der beste Zeitpunkt für einen Veloservice ist zwischen November und Februar, nicht erst, wenn die ersten warmen Tage den grossen Ansturm in die Velowerkstätten einläuten.

Definition Alltagsvelo

Ein Velo für den Alltagsverkehr sollte grundsätzlich dem Lenkenden Freude bereiten. Ein Velo tut das nicht, wenn es quietscht, unbequem ist und sich fährt, als würde ein Elefant auf dem Gepäckträger sitzen. An oberster Stelle steht beim Alltagsvelo der Begriff Zuverlässigkeit. Zuverlässigkeit kommt von langlebigen Komponenten. Langlebige Komponenten, wie z.B. eine rostfreie Kette, haben ihren Preis. Sollte der tiefe Preis ihr Hauptkaufargument sein, ergattern Sie sich ein gutes Occasionsvelo beispielsweise ab der Velobörse oder ein Vorjahresmodell beim Velohandel.

Carbonriemen vs. Kette

Gestatten Sie uns, die Velos mit Kardanwelle aussen vor zu lassen. Auch so bleiben mit Kette und Zahnriemen genug der Optionen. Der Carbonzahnriemen belegt bei richtiger Behandlung in Sachen Langlebigkeit einen Spitzenplatz. Richtige Behandlung? Auch ein Carbonriemen braucht Pflege. Dazu benötigt man jedoch einfach etwas Wasser, Punkt – kein Kettenreiniger, kein Schmierfett et cetera. Randbemerkung: Manche „Experten” verdrehen den Carbonriemen mit den Fingern, um dessen Spannung zu „prüfen”. Halten Sie diese „Experten” von ihrem Zahnriemen fern. Überlassen Sie diese Messungen den Velo-Mechanikern. Die wissen, was sie tun.

Selbst ein stark beanspruchter Zahnriemen hält ein vielfaches länger als eine Velokette. Müsste man deshalb nicht jedem Velo einen Zahnriemen verbauen? Im Prinzip ja, wenn da nicht der Kraftverlust wegen des Zahnriemens und die Einschränkung auf Naben- oder Tretlagerschaltungen wären. Ein Zahnriemen lässt sich nicht über einen Zahnkranz schalten. Zudem hinkt sein Wirkungsgrad dem einer Kette hinterher. Die Kraftübertragung der Kette von Metall auf Metall ist ungeschlagen.

Setzt man auf Langlebigkeit und Wartungsarmut, ist das Velo mit Zahnriemen und Getriebeschaltung erste Wahl.

Trotzdem, Zuverlässigkeit und Wartungsarmut des Zahnriemens sind nicht von der Hand zu weisen. Eine Premium-Getriebeschaltung kann zudem den nachteiligen Kraftverlust des Carbonriemens durch einen riesigen Übersetzungsbereich mindern. Setzt man also konsequent auf Langlebigkeit und Wartungsarmut, ist das leicht trägere Velo mit Zahnriemen und Getriebeschaltung erste Wahl.

Scheibenbremsen vs. Felgenbremsen

Im Prinzip muss man heutzutage nicht mehr diskutieren, welche Bremsen besser bremsen. Nicht umsonst sind Scheibenbremsen neuerdings auch im Rennsport etabliert. Letztes Argument für Felgenbremsen ist der Preis. Denn besonders hydraulische Felgenbremsen sind kraftvoll. Der Abrieb ist jedoch deutlich höher. Früher pendelte der Autor 200 km die Woche und verbrauchte im Winter locker 3 Sätze Bremsgummis. Die Kosten dafür waren marginal, es brauchte etwas Handarbeit und gegebenenfalls eine Anleitung auf Youtube.

Breite der Bereifung

Es mag sein, dass filigran dünne Schlauchreifen auf Asphalt toll und schnell sind. Müssen Sie täglich Schienen queren oder fahren auf Schotterwegen sind breitere Reifen ein Segen. Von zentraler Bedeutung ist bei breiten Reifen der richtige Luftdruck. Deshalb ist eine gute Fahrradpumpe mit Druckanzeige hilfreich. Laut Faustregel gilt, je breiter die Bereifung, je geringerer Druck ist von Nöten. Je höher der Reifendruck, je geringer der Rollwiderstand, je härter jedoch das Fahrverhalten.

e-Velos und vor allem die Schnellen davon werden öfter mit breiteren 27,5 Zoll-Bereifung ausgeliefert. Das ist in Sachen Sicherheit ein grosses Plus!

Schutzbleche und Gepäckträger

Ein Alltagsvelo hat Schutzbleche, Punkt. Alltagsvelofahrende pedalieren gerne in ganz gewöhnlichen Alltagskleidern. Genau so wie Autofahrer, die sich ebenso weing zum Auto fahren umkleiden würden. Ein Velo ohne Schutzblech ruiniert bereits bei der ersten Pfütze Ihre Lieblingswolljacke, die hellen Jeans oder tüpfelt auch schon mal die neue Sonnenbrille. Ein zusätzlicher Spritzlappen am Schutzblech des Vorderrades montiert mindert das schmutzige Spritzwasser an Schuhen und Hosenbeinen. Das Hinterradschutzblech ist oft auch Haltevorrichtung für den Gepäckträger. Für den Gepäckträger selbst gibt es verschiedene Haltesysteme, die das Anbringen und Lösen von Velokörben, Taschen und Koffern erleichtern. Spanngummis mit Haken machen das Velo zum Kleintransporter. Aber auch ohne Gepäckträger hilft ein Rucksack oder gar ein Lastenvelo. Aber dies ist eine andere Velo-Geschichte.

Gute Fahrt Ihnen allen – Hauptsache, Sie sind mit dem Velo unterwegs.

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