Praktisches
Die Artgerechte Haltung von Velo-Akkus Aufgezeichnet von Hannes Munzinger

Im November sinken die Temperaturen wieder öfter bis zum Gefrierpunkt. Wir packen uns warm ein oder geniessen drinnen unsere warme Stube. Von Akkus gibt es kein Wehklagen, Winseln und Weinen über die Temperaturen. Sie funktionieren zuverlässig und eines Tages plötzlich nicht mehr. Denn Akkus sind nachtragend, wenn wir sie nicht richtig behandeln. Lesen Sie unsere Praxistipps zur Akku-Pflege. Sie gelten für den kleinen Velolicht-Akku genauso wie für den teuren Hochleistungs-e-Bike-Akku oder den Smartphone-Akku.

Ein nicht-technischer Erklärversuch

Damit es jetzt nicht allzu kompliziert wird, stellen wir uns vor, der Strom besteht aus vielen «Stromlingen». Diese Tierchen leben in den Zellen der aktuell gebräuchlichen Lithium-Ionen-Akkus (Li-Ion). Ist die Zellmasse gefroren, können sich Stromlinge kaum bewegen. Ist die Zellmasse heiss, hüpfen Stromlinge wild herum, wie Wassertropfen auf einer glühenden Herdplatte.

Kälte und Hitze verschleissen den Akku übermässig.

Will der Mensch vom Akku nun Strom beziehen, heisst der Auftrag: «Alle Stromlinge los in Richtung Pluspol!» Doch in Eises Kälte können sich die frierenden Tierchen kaum bewegen. Das bedeutet für den Akku Stress. Andersrum auf der heissen Herdplatte hüpfend ist es schwierig, den Kurs zu halten. Das bedeutet ebenfalls Stress. Deshalb sind für Akkus gemässigte Temperaturen optimal.

Akku-Tipps für draussen

  • Wenn Sie ihr e-Velo um den Gefrierpunkt draussen parkieren müssen, nehmen Sie die Akkus mit in die Wärme.
  • Klappt dies für einmal nicht, fahren Sie zu Beginn vorsichtig und nur mit geringer Unterstützung los, regulär im Eco-Mode. Der Akku erwärmt sich nun langsam während des Gebrauches.
  • Bei extremer Kälte (ab -8° bis -10°C) lohnt sich eine Akku-Hülle aus Neopren.
  • Ihr e-Velo steht im Sommer vor der Badi an der prallen Sonne auf dem heissen Teerboden? Dann ist der Akku in ihrer Baditasche besser aufgehoben. Oder beschatten Sie das Velo mit einem Tuch, respektive, parkieren sie es besser gleich im Schatten.

Tipps zum Ladezustand

  • Ist ein Akku voll, möchte er den gespeicherten Strom bald möglichst abgeben. Bildlich erklärt: bei Vollladung zwängen sich die Stromlinge eng aneinander, Schulter an Schulter in einem stressigen Gedränge. Deshalb sollte man einen Akku zum Einlagern nicht komplett laden.
  • Ein gut zur Hälfte geladener Akku befindet sich sozusagen im „stand-by-Modus“. In einem leicht beheizten und trockenen Raum kann der Akku über Wochen ungenutzt und unbeschadet ruhen.
  • Man tut seinem Akku nichts Gutes, wenn man ihn über Wochen ans Ladegerät hängt. Im Gegenteil.
  • Ein komplett geleerter Akku gehört übrigens möglichst bald wieder an die Steckdose. Zulange leer stehen gelassen sinkt die Spannung im Akku so tief, dass man nicht mehr laden kann. Nach so einer Tiefentladung müssen die allermeisten Akkus beim Händler entsorgt werden.

Tipps für richtiges Laden

  • Lassen Sie einen Akku aus der Kälte erst bei Zimmertemperatur ruhen. Wenn er sich nicht mehr eisig kalt anfühlt, verbinden Sie ihn mit dem Ladegerät.
  • Regelmässige Teilladungen erhalten die Lithium-Ionen-Akkuleistung besser, als sporadische Gesamtladungen.
  • Der Memory-Effekt, wie bei Blei-Akkus, war Gestern. Bei Li-Ion Akkus gibt es dieses Problem nicht mehr.
  • Schnelles Laden verschleisst den Akku deutlich schneller. Lässt man seine Akkus sowieso über Nacht laden, nutzt man dafür von Vorteil ein schwächeres Ladegerät. Mit hoher Wattzahl gerüstete Schnelllader bringen Akkus so richtig ins Schwitzen. Deshalb sind diese Geräte eher für kurzes Nachladen geeignet, da sie eigentlich das Akkuleben verkürzen.

Drei Tipps am Rande

  • Reinigen Sie die Kontakte eines herausnehmbaren Velo-Akkus mit einem trockenen Tuch und fetten Sie diese mit etwas Kontaktöl.
  • Behandeln Sie den Akku sorgfältig. Lassen Sie ihn nicht fallen. Beschädigte Akkus sind lebensgefährlich. (Brandgefahr)
  • Für e-Bike-Akkus gilt: Je höher die Unterstützungsstufe, je mehr Stress für den Akku. Prüfen Sie doch hin und wieder den Reifendruck. Gut gepumpte Reifen erzeugen beim Velofahren weniger Widerstand. Dann klappt es zeitweise auch ohne den Turbo-Mode.

 

Gute Fahrt Ihnen allen, Hauptsache, Sie sind mit dem Velo unterwegs.

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