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Remo Egli findet Erfüllung in seiner Arbeit

Ursprünglich war Remo Egli noch ein Exot unter seinen Kollegen. Inzwischen freut er sich darüber, dass die Velonutzung in seinem Arbeitsumfeld stetig zunimmt.

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Wenn ich Menschen sehe, die sich beispielsweise am Mythenquai oder auf der Rentenwiese vergnügen und erholen, motiviert mich das zu guter Arbeitsleistung. Ich arbeite seit 2019 für Grün Stadt Zürich (GSZ). Dabei kann ich massgeblich zur Lebensqualität in der Stadt beitragen. Das gefällt mir sehr. Und da ich selbst in der Stadt wohne, nützt es mir und meiner Familie auch persönlich.

Bei Grün Stadt Zürich arbeiten gut 620 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir sind überall dort verantwortlich, wo es Grünflächen gibt. Dazu zählen Parkanlagen, Schulanlagen, Kitas, Kindergärten, Freibäder, Sportanlagen – und ein paar grosse Friedhöfe gehören auch dazu. Wir hegen und pflegen Bäume, Sträucher, Wiesen, Rasen und Stauden.

Mein beruflicher Werdegang ist ein langer und vielseitiger: Ursprünglich machte ich eine Lehre als Zierpflanzengärtner. Nach einer Zusatzlehre zum Landschaftsgärtner EFZ habe ich mich zum Obergärtner weitergebildet. Danach wurde ich Bauführer. Seit ich bei der GSZ bin, habe ich noch eine Ausbildung in Greenkeeping gemacht. Momentan bin ich daran, den Abschluss als «Head Greenkeeper» zu erlangen.

Freiheit auf zwei Rädern

Aufgewachsen bin ich im Zürcher Oberland. Damals hatte ich immer einen relativ langen Schulweg. Als ich in die erste Klasse kam, durfte ich endlich das Velo benutzen – eine neue Freiheit! Von da an fuhr ich nur noch mit dem Velo zur Schule. Ich finde es ein cooles Transportmittel, weil man es mit seiner eigenen Energie antreibt.

Mit 14 Jahren gab es dann für zwei, drei Jahre eine Velopause, da sich das Töffli in den Vordergrund drängte. Als ich aber von zuhause aus und in die Stadt zog, kaufte ich mir wieder ein Velo, und das Bewusstsein um die Attraktivität dieses Fahrzeugs kam langsam wieder zurück. Seit ich 20 bin, habe ich nun durchgehend ein Velo gehabt.

Vor ein paar Jahren kaufte ich mir ein Fully-Mountainbike, um damit hobbymässig zu trailen. Ich mag die Trails am Uetliberg. Auch wenn es immer wieder dieselbe Piste ist, bin ich jeweils voller Adrenalin. Es fühlt sich einfach toll an, wenn man es geschafft hat und unten ankommt.

Vor zwei Jahren bin ich Vater geworden. Seither ist das Trailen etwas weniger geworden. Dafür steht in der Garage schon das Cargovelo für gemeinsame Ausfahrten bereit.

5’400 Velokilometer in zwei Jahren

Von Tür zu Tür beträgt mein Arbeitsweg etwa 8.2 Kilometer. Dafür brauche ich ungefähr 20 Minuten. Über den Tag verteilt kommen noch etliche Kilometer dazu. Im Schnitt bin ich pro Tag gute eineinhalb Stunden auf dem Velo unterwegs – da kommen schon 30 bis 40 Kilometer zusammen. Ausser, ich habe einen Bürotag. Den gibt es einmal in der Woche.

Ich bin meinem Arbeitgeber dankbar, dass die Mitarbeitenden ein Velo zur Verfügung gestellt bekommen und dieses nutzen können. Ich empfinde das als schöne Wertschätzung. Erst bekam ich ein E-Bike mit 25 km/h und vor rund zwei Jahren gab es dann ein «Upgrade» auf ein 45 km/h Speed-Pedelec. Seit ich dieses habe, habe ich sage und schreibe bereits 5’400 Kilometer damit zurückgelegt!

Vor ein paar Jahren war ich noch ein richtiger Exot, als ich mit dem Velo zur Arbeit ging. Das hat sich nun stark gewandelt: Etwa 50 Prozent der Vorgesetzten bei GSZ sind während der Arbeitszeit mit dem Velo unterwegs, das hat Vorbildcharakter – Tendenz steigend.

Der Stresslevel ist bei mir deutlich gesunken. Das Velofahren hat meine Lebensqualität spürbar gesteigert.

In Leuchtgelb durch den Stadtverkehr

Toll ist auch, dass wir eine ganze Ausrüstung wie Regenschutz, Helm etc. in Leuchtgelb erhalten. Eigentlich ist es eine Uniform. So ist man ein positives Aushängeschild für die GSZ und kann vielleicht sogar einen Trend setzen. Zudem entspricht es den Sicherheitsauflagen von Grün Stadt Zürich. Mit den Signalfarben fühle ich mich in der Stadt sehr sicher. Auch mit den verschiedenen Velorouten, die man über eine App aufschalten kann, bin ich sehr zufrieden.

Es gibt ein paar Knotenpunkte, die noch nicht ganz gelöst sind. Der Hauptbahnhof mit dem neuen Velotunnel ist schon mal sehr gut. Beim Central wird es schon etwas schwieriger, und das Bellevue ist dann nochmals eine andere Hausnummer.

In all den Jahren hatte ich zum Glück noch nie einen Unfall. Brenzlige Situationen hingegen gab es viele, wenn plötzlich aus dem Nichts eine Autotür aufgeht oder man «abgeschossen» wird, während man im toten Winkel eines Autos ist. Auch kommt es vor, dass Autos nicht blinken und unvermittelt abbiegen.

Velofahren als Lebensqualität

Für mich ist Velofahren Freiheit, Bewegung und Natur pur. Die Bewegung ist gut für den Körper, und die Natur tut dem Geist gut. Ich habe allgemein das Gefühl, dass ich, seit ich täglich Velo fahre, weniger gestresst bin. Mit dem Velo ist man zu 95 Prozent pünktlich zu einem Termin – ausser natürlich, man hat einen platten Reifen oder die Kette reisst. Der Stresslevel ist bei mir jedenfalls deutlich gesunken. Das Velofahren hat meine Lebensqualität spürbar gesteigert.

Ich finde es auch immer ein befriedigendes Erlebnis, an einem Stau vorbeifahren zu können – von früher kenne ich auch die andere Seite …

Freude an der Arbeit und Verantwortung für Breitensport

An meiner Arbeit schätze ich zum Beispiel besonders, dass die Stadt während der Sommerferienzeit allgemein etwas ruhiger ist. Ich liebe es dann, beim Bürkliplatz und der Landiwiese den Sonnenaufgang zu sehen und zu mitzuerleben, wie Zürich langsam erwacht.

Mit meiner Arbeit trage ich aktiv zur Gesundheitsförderung und Lebensqualität in der Stadt bei. Ein zentraler Bestandteil meiner Aufgaben ist die Pflege und Instandhaltung von Rasenflächen auf Sportplätzen, in Pärken und Badeanlagen. Diese Grünflächen sind wichtige Begegnungsorte für die Bevölkerung und werden intensiv für Freizeit, Bewegung und Sport genutzt, insbesondere im Breitensport wie Fussball. Durch eine fachgerechte Rasenpflege sorgen wir dafür, dass die Plätze sicher, funktional und attraktiv bleiben und leisten somit einen wertvollen Beitrag zur Förderung von Bewegung und Gesundheit.

Mit unserer Arbeit erhalten wir die Grünflächen und Baumbestände in der Stadt und dehnen sie auch aus. Damit tragen wir entscheidend zur Hitzeminderung während der Hitzetage im Sommer bei. Die Bäume müssen aber gut gepflegt werden. Denn sie brauchen ein paar Jahre, bis sie gross genug sind, um ihre «Wirkung» zu entfalten. Das Ziel ist es, die Lebensqualität in der Stadt hoch zu halten.

Bewusstsein für Nachhaltigkeit

In den letzten Jahren hat sich bei mir auch ein ökologisches Bewusstsein entwickelt. Mittlerweile ist der Umweltaspekt auch ein Grund, weshalb ich mit dem Velo überallhin fahre. Es wurde mir in den vergangenen Jahren so richtig bewusst, dass ich die CO2-Bilanz nicht noch mehr belasten, sondern dagegen ansteuern möchte.

Generell denke ich aber, dass wir uns auf einem guten Weg befinden. Das Verständnis der heutigen Generation fürs Velofahren entwickelt sich ständig weiter. Der Verkehr in der Stadt könnte noch deutlich weniger werden. So würde die Stadt viel ruhiger. Zürich könnte sich dabei am Beispiel der Velostadt Amsterdam orientieren.

Mit meiner Arbeit für eine grünere Stadt und jedem Kilometer auf dem Velo trage ich ein Stück dazu bei, dass Zürich lebensfreundlich bleibt – für mich, meine Familie und auch die kommenden Generationen.

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