Home Beiträge online Lifestyle Olaf Schroers hat in seinem Leben wieder Tritt gefasst.

Olaf Schroers hat in seinem Leben wieder Tritt gefasst.

Olaf Schroers liebt Blumen und das Velofahren. In Zürich trifft man ihn schon mal mit seinem E-Bike und einem Strauss Blumen, den er so zu seiner Kundschaft transportiert. Das Velofahren hilft ihm überdies mental gesund zu bleiben.

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Ich bin ein Nordlicht und in der Nähe von Hamburg zwischen Tulpenzwiebeln und Rosen gross geworden. Meine Grosseltern besassen eine grosse Gärtnerei. Das eine Haus stand an der Strasse und das Wohnhaus etwas zurückversetzt im Gelände. Ich erinnere mich noch gut daran.

Als ich ungefähr fünf oder sechs Jahre alt war, hatte ich ein Polo-Fahrrad mit hohem Lenker und langem Sattel – und sogar einem Kilometerzähler. Unermüdlich fuhr ich damit zwischen diesen Häusern rauf und runter. Das ist mir geblieben.

Meine Eltern waren Vollzeit mit den Blumen für den Wochenmarkt beschäftigt. So wurde ich als ältestes Kind dazu bestimmt, den Wocheneinkauf für die Familie zu erledigen. Am Freitag bekam ich eine Liste und zog mit meinem Velo los. So erledigte ich den Grosseinkauf für die Familie. Übrigens tue ich das heute noch. Zum Einkauf fahre ich stets per Velo.

Die Welt der Blumen entdeckt

Meine Eltern fuhren regelmässig mit den Blumen zum Wochenmarkt. Ab meinem zehnten Lebensjahr musste ich sie dann für etwas Taschengeld begleiten. Ich machte das ziemlich gut und kam mit meiner Art bei der Kundschaft gut an. Deshalb haben meine Eltern das gleich beibehalten.

Später fuhr ich mit dem Velo die sieben Kilometer zum Gymnasium. Da ich wenig Zeit zum Lernen hatte, waren meine Noten entsprechend nicht so gut. Nach der 10. Klasse habe ich ein Praktikum in einem Blumengeschäft gemacht. Nach der 11. Klasse bracht ich das Gymnasium ab, um eine 3-jährige Ausbildung zum Floristen zu absolvieren. Ich hatte Glück mit einem guten Lehrbetrieb. So durfte ich die Welt der Floristik entdecken.

In der Floristik ist es üblich, dass man wie bei Zimmerleuten Lehr- und Wanderjahre absolviert. Das habe ich dann auch gemacht und bin so innerhalb Deutschlands immer weiter südlich gekommen.

Der Liebe wegen in der Schweiz

Nach Jahren beim Militär und nach meiner Aus- und Weiterbildung habe ich 1992 den Floristmeister gemacht. Bereits ein Jahr später konnte ich eine eigene Meisterschule in Straubingen aufbauen. Ich war durch Wettbewerbe und Ausstellungen in der Szene bekannt geworden. Auf Empfehlung wurde ich in Straubingen engagiert und konnte ein eigenes Konzept erarbeiten. Über eine Ausstellung bei einem Fachgrosshändler in Zürich lernte ich schliesslich meine Frau kennen. Sie betrieb hier eine Floristenschule und engagierte mich, um dort Kurse zu geben. Wie so oft im Leben kam eines zum anderen. Der Liebe wegen zog ich schliesslich in die Schweiz.

In Zürich ist man mit dem Velo einfach schneller.

Ich merkte rasch, dass man in Zürich mit dem Velo einfach in jedem Fall schneller ist. Ich bin ein klassischer von A-nach-B Fahrer, trage entsprechende Kleidung und fahre bei jedem Wetter, ausser bei Glatteis. Velofahren bedeutet für mich Freiheit, Leichtigkeit sowie Gesundheit und Genuss.

Ich wohnte bis vor Kurzem in Witikon am Berg und mein Arbeitsweg betrug täglich mindestens 15 Kilometer. In den letzten eineinhalb Jahren waren somit ungefähr 6’000 Kilometer zusammengekommen.

Gesund werden – dank dem Velofahren

Seit etwas mehr als 20 Jahren leide ich immer wieder unter depressiven Phasen. Die letzten paar Jahre waren in dieser Hinsicht sehr hart. Doch im Sommer 2023 kam die Wende: Gott sei Dank entdeckte ich in der Kinesiologie und dank hervorragenden Therapeuten eine für mich wirksame Methode, um wieder aus diesen Tiefs herauszukommen. Dabei war der Kauf meines E-Bikes ein reiner Lustkauf. Ich hatte Lust wieder Velo zu fahren. Damit verbunden kam auch wieder die Lust, im Leben Tritt zu fassen. Heute geht es mir gut.

Das Velofahren hilft mir dabei, den Kopf zu lüften. Ich komme frisch bei der Arbeit an und fahre ebenso entspannt wieder nach Hause. Und extra trainieren muss nicht mehr. Ausserdem gibt es mir ein gutes Gefühl, weil es umweltfreundlich ist und ich den Verkehr nicht zusätzlich verstopfe. Das Velofahren trägt massgeblich zu meiner Lebensqualität bei.

Seit ich in Zürich wohne, arbeite ich freischaffend und habe in der Stadt mein Lager. Dorthin fahre ich, wenn immer möglich, mit dem Velo. Auch meine Kundschaft fahre ich mit dem Velo an. Dazu gehören Restaurants und Hotels. Man kann mich auch für private Anlässe oder Events engagieren wie Hochzeiten oder auch Trauerfeiern.

In meiner Floristen-Laufbahn durfte ich unzählige spannende Projekte aufbauen und begleiten. Ich habe regelmässig Seminare gegeben, auch im Ausland. Vor dem Ukraine-Krieg war ich oft in Russland unterwegs: Moskau, St. Petersburg, Krasnojarsk, Nowosibirsk, Tomsk und Perm, um nur ein paar der tollen Städte zu nennen. Ich war quasi der erste westliche Florist in Sibirien. Dort habe ich ein 12-wöchiges Programm mit Abschluss in Floristik ins Leben gerufen. Es ist sehr befriedigend, sein Wissen weiterzugeben und damit etwas Positives im Leben anderer zu bewirken.

Blumen mit dem Velo liefern

Es kommt schon mal vor, dass mich die Leute etwas komisch anschauen, wenn ich die Blumen per Velo transportiere. Natürlich benötige ich manchmal auch einen Lieferwagen, wenn ich grössere Mengen an Blumen transportieren muss. Ich bin ja gleichzeitig alles, mal bin ich Velofahrer, mal Fussgänger und mal Autofahrer. Ich kenne also jede Perspektive. Deshalb wünsche ich mir einfach mehr gegenseitigen Respekt und Toleranz. Jeder macht mal Fehler. Beim Velofahren denke ich immer mit, fahre vorausschauend und halte genügend Abstand.

Grundsätzlich wünsche ich mir mehr Velowege für Zürich, die auch durchgängig sind. Oft enden diese einfach im Nichts und ich muss mich dann rasch umorientieren. Eine Helmpflicht für leuchtende Helme fände ich auch sinnvoll. Was ich nicht verstehe: Wenn jemand schwarz gekleidet und ohne Licht unterwegs ist, das ist ziemlich bescheuert und gefährlich zugleich.

Der Umweltfaktor ist für mich übrigens einer der Hauptgründe, weshalb ich Velo fahre. Wenn man im Sommer hinter einem Auto herfährt, wird einem bewusst, welch enorme Wärme ein Auto produziert und abstrahlt. Eine Stadt mit weniger Autos wäre im Sommer viel kühler und angenehmer!

Dank dem Velofahren ist in meinem Leben wieder Ruhe und Gelassenheit eingekehrt. Es trägt zum Ausgleich bei, dafür bin ich sehr dankbar!

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