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Milo Rosa, 13, Schüler und Enduro-Fahrer Ich war der, der mit dem Velo auch mal gerne die Treppe runterfuhr. Aufgezeichnet von Sandra Hürlimann

Eigentlich fährt ja jedes Kind Velo. Aber mir macht es obendrauf richtig Spass, zum Beispiel einmal eine Treppe herunterzufahren oder auch mal im Wald oder auf einem Trail zu fahren. In meiner Familie sind nicht alle so endurobegeistert, wie ich. Meine Mutter startet zwar seit etwa vier Jahren als Triathletin und nimmt an Ironman-Wettkämpfen teil ­– aber da ist sie halt auf dem Rennvelo unterwegs und das ist etwas ganz anderes. Mein Vater fährt zwar auch Mountainbike, aber eigentlich nur für den Inferno-Triathlon, an dem meine beiden Schwestern und meine Eltern seit etwa zwei Jahren mitmachen.

Angefangen mit dem Enduro-Training habe ich wegen einem Freund von mir. Er fährt schon im Gelände, seit er vier ist. Der meinte, ich soll doch einfach einmal mitkommen auf den Adlistrail. Das habe ich dann auch gemacht – zwar noch nicht mit einem Enduro-Bike, sondern mit meinem normalen Velo. Aber das Biken war echt super. Danach ging ich mit diesem Freund mit zu einem Probetraining im Bike-Club. Da waren ungefähr zwanzig Kinder mit ihren Velos, die voll viel Spass hatten. Klar gefiel mir das! Seither trainiere ich dort zweimal die Woche.

Sehr oft sind wir am Uetliberg auf dem Antennentrail unterwegs. Wir treffen uns jeweils unten beim Triemli und fahren dann miteinander ungefähr 45 Minuten den Berg hoch. Für die anspruchsvolle Abfahrt brauchen wir dann bloss etwa 15 Minuten. Manchmal sind wir auch auf dem Pumptrack im Bikepark beim Sihlcity. Das ist etwas ganz anderes als Enduro fahren. Die Strecke ist aus Beton und Sand vorgebaut. Dort geht es mehr darum, Tricks und Sprünge zu üben. Dazu benutze ich mein anderes Velo, das Dirt Bike.

Ich hatte anfangs ein bisschen Angst vor den Autos.

Zum Training im Bikepark Zürich fahre ich von Gockhausen mit dem Velo quer durch die Stadt, weil es so einfach am schnellsten geht. Die ersten Male waren etwas herausfordernd, wegen dem vielen Verkehr. Ich hatte anfangs auch ein bisschen Angst vor den Autos. Mittlerweile find ichs aber eigentlich ganz witzig. Man lernt ja auch dabei, sich auf den Verkehr zu konzentrieren und auf gefährliche Situationen zu achten. Wenn ich etwas weiter fahren muss, beispielsweise zum Triemli, oder spät dran bin, nehme ich das Velo auch schon mal mit ins Tram und lege einen Teil der Strecke so zurück.

Als Enduro- und Mountainbike-Fahrer fühle ich mich als Teil einer grossen Velofamilie. Man kennt sich untereinander, fährt mit Kollegen und gelegentlich auch mit Profis. Es geht dabei eigentlich nicht um Leistung oder darum zu zeigen, wer der Beste ist. Klar habe ich Vorbilder, zum Beispiel Fabio Wibmer. Es wäre schon cool, einmal wie er fahren zu können. Aber in erster Linie geht es darum, Spass zu haben – jedenfalls so lange man noch nicht Profi ist oder Rennen fährt.

Das ist übrigens mein nächstes grosses Ziel. Diesen Sommer werde ich zum ersten Mal an einem Rennen teilnehmen. Nächstes oder übernächstes Jahr möchte ich dann richtig mit Downhill im Wettkampf anfangen! – Einfach mal schauen, wie weit ich da komme.

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