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Lasien Vojo, 33, Radiologie-Assistent und DJ Mein Vater meinte, ich sei verrückt, so weit zu radeln … Cornelia Schlatter

Meine Wurzeln liegen in Albanien. Aufgewachsen bin ich aber in Italien. Nach meinem Studium zum Radiologieassistenten zog es mich nach Berlin. Dort war ich immer mit dem Velo unterwegs. Das Fahrrad ist schon seit meiner Kindheit wie ein bester Freund, stets ein treuer Begleiter. Die früheste Velo-Kindheitserinnerung habe ich an ein BMX. Meine Eltern arbeiteten einen Sommer lang in Griechenland und brachten mir ein solches Bike mit. Es war eine echte Rarität, denn kein anderes Kind in meiner Gegend hatte so ein Fahrrad.

Velos haben mich schon immer fasziniert. Ich habe mit 19 angefangen, Rennvelo zu fahren. In meiner Umgebung gab es viele Rennvelofahrer, die mich dazu inspirierten. Ein alter Mann, der auch dort lebte, brachte mir ausserdem bei, wie man ein Velos repariert. Ich mag es sportlich, wenn es anstrengend ist beim Velofahren. Ich mache das heute noch als Hobby. Aber seit einiger Zeit habe ich auch entdeckt, dass das Fahrrad ein unglaublich gutes Transportmittel für mich ist.

Berufliche Flexibilität dank dem e-Bike

Ich bin jetzt seit sieben Jahren in Zürich. Als Springer arbeite ich für das MRI-Institut und die Schulthessklinik. Mein Wohnort liegt aber genau am anderen Ende der Stadt und zur Schulthessklinik geht es ziemlich steil bergauf. Da ich oft Pikettdienst habe und auch mal mitten in der Nacht raus muss, habe ich mir im Februar ein e-Bike gekauft und bin bereits über 1’150 Kilometer damit gefahren. Seither komme ich nicht mehr verschwitzt an meinem Arbeitsort an und bin super flexibel.

Manchmal schickt mich mein Arbeitgeber an einen anderen Standort zur Arbeit Mit dem e-Bike bin ich immer schnell vor Ort. Ich plane nicht so gerne weit im Voraus. Das e-Bike gibt mir die Flexibilität, kurzfristig meine Pläne zu ändern. Mit dem e-Velo bin ich zudem doppelt so schnell an meinem Arbeitsplatz, wie mit dem Tram. Mein täglicher Arbeitsweg von knapp 20 Kilometern bewältige ich so bequem, Sommer wie Winter. Das ganze Jahr bin ich mit dem Velo unterwegs. Ab und zu arbeite ich auch nachts als DJ. Dann ist es sowieso praktisch, nicht auf den öffentlichen Verkehr angewiesen zu sein, um nach Hause zu kommen.

Reisen mit dem Velo bedeutet bewusst wahrnehmen

Das Verrückteste, was ich je gemacht habe, war meine Eltern in meiner Heimatstadt zu besuchen. Vor drei Jahren fuhr ich mit dem Velo von Zürich nach Florenz. In sechs Tagen legte ich über 600 km zurück. Es ist beeindruckend, was man aus eigener Kraft alles erreichen kann. Unterwegs fragte ich mich manchmal schon, was ich hier eigentlich mache! Ich kämpfte gegen Regen und Wind, und mein Hintern schmerzte. Das kann einen schon an seine Grenzen bringen. Doch die Genugtuung und der Lohn ist viel eindrücklicher, wenn man sich vorher so richtig angestrengt hat. Als ich vor dem Haus meiner Eltern in Florenz ankam, stand gerade mein Vater draussen und begrüsste mich herzlich. Das war ein wunderbarer Moment. Er sagte, ich müsse wohl verrückt sein, eine solche Reise zu wagen.

Es war das erste Mal, dass ich so allein durch die ganze Schweiz gefahren bin, über Pässe und durch Täler. Da realisierte ich erst, was Reisen eigentlich bedeutet. Es war eine unglaubliche Erfahrung. Wenn man mit dem Velo unterwegs ist, nimmt man Vieles ganz bewusst wahr, und ich fühlte mich sehr verbunden mit der Natur. Allgemein bin ich gerne «grün» unterwegs.

Tramschienen können tückisch sein

In meinen Augen macht Zürich schon sehr viel für uns Velofahrer, aber ich hätte gerne noch mehr Velowege. Glücklicherweise bin ich noch nie in eine gefährliche Situation gekommen, ausgenommen die paar Mal, als ich mit dem Reifen in Tramschienen geraten bin. Allerdings konnte ich immer früh genug abspringen, bevor etwas Ernsthaftes passiert ist.

In Zukunft sehe ich mich mit einem Cargo-Bike durch die Stadt kurven. Ich finde es grossartig, wie man mit einem Lastenvelo schwere Dinge transportieren kann  ̶̶̶  oder vielleicht später einmal meine Kinder. Für mich bleibt das Velo einfach das ideale Transportmittel in jeder Lebensphase.

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