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Jan Pfenninger, Leiter Marketing und Kommunikation Drei e-Cargo-Bikes und kein Mikro-Hub Cornelia Schlatter

Diese Geschichte dreht sich um Elektro-Lastenvelos, genau genommen einem e-Cargo-Dreirad der Firma Planzer Transport AG. Der Paketservice von Planzer ist in einem unverkennbaren Retrostil gehalten. So auch dieses e-Bike. Die Ladebox mit dem roten Schriftzug auf crèmefarbener Abdeckplane versetzt etwas in längst vergangene Zeiten der Logistik. Doch das e-Cargo-Trike ist topmodern, theoretisch einsatzfähig und bereit, Pakete an Endkunden auszuliefern. Nur tut es das nicht. Zurzeit wird es vorwiegend für Firmenevents genutzt. Weshalb es nicht zur Verwendung in der Logistik kam, erfahren Sie von Jan Pfenninger, Leiter Marketing und Kommunikation bei Planzer.


Wir betreiben seit über 20 Jahren City-Logistik und verfolgen gespannt die Entwicklung im Bereich der alternativen Antriebstechnologien. Als Familienunternehmen denken wir nachhaltig. So haben wir bereits vor Jahren einen Elektro-LKW angeschafft. Mit einem Gesamtgewicht von 18 Tonnen und einer Reichweite von 250 Kilometern ist dieser in der Stadt Zürich im Einsatz.

Bei 1’500 Stückgut-Sendungen in die City, liegt es nahe, sich über Alternativlösungen in der Feinverteilung Gedanken zu machen. Dabei sind Abholungen noch nicht einmal eingerechnet. Seit 2018 kommen zudem noch zahlreiche Sendungen bis 30 Kilogramm vom Paketservice «Planzer Paket» dazu.

Das Thema e-Cargo-Bike kam 2016 ins Rollen. Der Gedanke schwelte aber schon einige Jahre länger.

Zu geringes Gesamtgewicht

Im Jahr 2016 haben wir uns erstmals für e-Cargo-Bikes und dann für e-Cargo-Trikes (dreirädrige e-Cargo-Bikes) interessiert. Wir beabsichtigten ein Produkt in der Schweiz zu kaufen. Auf diesem Weg kamen wir mit Dani Rey, dem Inhaber von der e-motion e-Bike Welt in Dietikon ins Gespräch. Schliesslich kauften drei solcher e-Cargo-Trikes bei ihm. Damit wollten wir in einem Pilotprojekt die Feinverteilung im Stadtkern per elektrisch unterstützten Cargo-Trike erproben.

Die e-Cargo-Bikes, für welche wir uns zuerst interessierten, hätten wir als Leichtmotorfahrrad mit einem Gesamtgewicht von 200 Kilogramm einlösen müssen. Das war zu wenig. Nach Abzug des Eigengewichts von Bike und Fahrerin oder Fahrer blieb nicht mehr viel für die Ladung übrig. Unter zusätzlichen Auflagen konnten die e-Cargo-Trikes hingegen als Kleinmotorrad für ein Gesamtgewicht von 450 Kilogramm zugelassen werden. Das war aus logistischer Sicht viel interessanter für uns.

Zwei der drei Planzer-e-Trikes kurz vor der Auslieferung

Nach dem Erwerb dieser drei e-Cargo-Trikes erhielten wir vom Strassenverkehrsamt Zürich und mit der Unterstützung von Dani Rey eine provisorische Bewilligung für ein Jahr. So konnten wir unser Pilotprojekt starten.

Spezialisten helfen

Während dieser einjährigen provisorischen Pilotphase mussten wir ein Gutachten erstellen, um eine definitive Typengenehmigung zu erhalten. Dieser Prozess war sehr aufwendig und erforderte grosses Know-how. Schliesslich nahm die Firma Imagine Cargo diesen sehr steinigen Weg auf sich. Spezialisten kämpften sich während eineinhalb Jahren durch den Paragraphen-Dschungel, bis sie die Typengenehmigung schliesslich bekamen.

Es ist bedenklich, dass viele, die eine ähnliche Lösung anstrebten, auf diesem Weg scheiterten und aufgaben. Deshalb raten wir Unternehmungen, in vergleichbaren Situation, sich frühzeitig von Spezialisten helfen zu lassen.

Wir wünschten uns, dass solche Prozesse und Genehmigungen künftig schneller und unbürokratischer von statten gingen. Bestimmt interessierten sich viel mehr Firmen für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben. Imagine Cargo hat auf diesem Gebiet wertvolle Pionierarbeit geleistet.

Suche nach einem Mikro-Depot

Zeitgleich zur Bewilligungsphase lief, mit tatkräftiger Unterstützung der Stadt Zürich, die Suche nach einem geeigneten Mikro-Depot im Stadtkern. Ein solcher Mikro-Hub im Zentrum ermöglicht, von dort die grosse Dichte an Empfängern in kurzer Distanz zu erreichen. Unser Bahncenter in Zürich-Altstetten erwies sich als zu weit weg für das Vorhaben. Besonders im Stadtzentrum eignen sich wendige Fahrzeuge, wie unser e-Cargo-Trike hervorragend. So kann man Staus umfahren oder enge Gassen und Velowege passieren. Doch einen Mikro-Hub zu finden, der für das Pilotprojekt finanziell tragbar gewesen wäre, stellte sich als unlösbare Herkulesaufgabe heraus. Schlussendlich wurde das Projekt nach drei Jahren vergeblicher Suche gestoppt.

Rasanter Fortschritt

Doch nicht nur der fehlende Mikro-Hub zwang uns, das Projekt nicht weiter zu verfolgen. Auch interne Veränderungen und die rasante Entwicklung auf dem Markt für Fahrzeuge mit alternativen Antrieben trugen dazu bei.

Im Jahr 2018 starteten wir mit unserem eigenen Paketservice. Dieser stellt mit einem eigens entwickelten Algorithmus die Liefertouren mittels verschiedener Parameter möglichst effizient zusammen. Möchten wir nun Kleinfahrzeuge mit alternativen Antrieben in diesen Planungsprozess einbinden, müsste der Algorithmus angepasst werden. Beispielsweise müsste man ihm Daten der Schweizer Topografie einspeisen. Schliesslich macht es einen Unterschied, ob ein e-Cargo-Trike das Limmatquai oder die Uni beliefert. Diese Anpassungen wären möglich, aber sind eine Ressourcenfrage.

Überdies entwickeln sich elektrisch unterstützte Fahrzeuge, wie beispielsweise e-Rikschas, so werden e-Cargo-Trikes auch genannt, sehr schnell weiter. Heute gibt es bereits modernere Modelle und Systeme, die eine noch effizientere City-Logistik ermöglichen würden. Zudem braucht man eine bestimmte Flottengrösse, um wirtschaftlich unterwegs zu sein.

Erfolge im Wallis

Für uns war der ganze Prozess trotzdem sehr wertvoll und lehrreich und keinesfalls verlorene Zeit. Wir konnten viele nützliche Erkenntnisse daraus gewinnen. Nach wie vor sind wir überzeugt, dass wir mit unserer nachhaltigen Strategie auf dem richtigen Weg sind.

Sehr sympathisch fänden wir, wenn der Stadtkern von Zürich eines Tages autofrei wäre. Es wäre ein noch schönerer Ort zum Verweilen, Einkaufen und Geniessen. Man bewegt sich dort ohnehin am besten zu Fuss, mit dem Velo oder den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Dass es mit e-Cargo-Bikes funktionieren kann, beweist unser Pilotprojekt im Wallis. In Sion werden jeden Tag Pakete in einem Lieferwagen-Anhänger abgestellt. Von dort wird dann die Feinverteilung per e-Cargo-Bike ausgeführt. Wir verfolgen deshalb unseren Weg unbeirrt weiter und lassen uns dabei gerne von der Marktentwicklung inspirieren.

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