Lifestyle
Suse Heinz, 41, Fotografin und Hutmacherin Velo und Wasser, das ist für mich eine Zauberformel. Aufgezeichnet von Cornelia Schlatter

Eine herbstliche Genusstour am Bodensee

Velo und Wasser, das ist für mich eine Zauberformel. Ich liebe es mit dem Velo dem Wasser entlang zu radeln, den Fahrtwind auf der Haut zu spüren und einfach drauflos die Welt zu entdecken. Für mich ist es etwas Wunderbares, auf diese Weise gemeinsam mit Freunden ein Abenteuer zu erleben. Letztes Jahr haben wir den Vierwaldstättersee umrundet. Dieses Jahr haben wir uns in fast gleicher Formation für die Bodenseeregion im Gebiet Thurgau Untersee entschieden.

Mit meinen Reisegefährten Hanna Rückert, Simon Merki und Kristiina Treublut bin ich Anfang September zu neuen Abenteuern aufgebrochen: Wir starteten in Stein am Rhein zu unserer dreitägigen Bodensee-Tour. Zuerst fuhren wir ein Stück dem Rhein entlang. Weiter dem Bodensee folgend, nahmen wir dann unsere Reisestrecke unter die Räder.

Kultur- und Kulinarik-Route für Velogeniesser

Es war Genuss pur! Das Radfahren wechselte sich mit Kultur und Kulinarik ab, ein wahres Fest für die Sinne. Die Route am Bodensee verläuft meist flach und führt direkt am Wasser entlang auf wunderschönen und gut gepflegten Radwegen. Diese Reise eignet sich hervorragend für Velogeniesser jeden Alters. Daher ist die Route sowohl für Familien mit Kindern, als auch für Senioren zu bewältigen. Die einzelnen Etappen sind auch kilometermässig überschaubar.

Es ist für jede Person ein Gewinn, die sich entscheidet, auf ein Velo zu sitzen und etwas für die Gesundheit zu tun. Ist es nicht toll? Menschen, die sich sonst nicht auf ein Fahrrad setzen würden, können es dann wenigstens mit einem E-Bike versuchen. Es geht doch darum, rauszugehen und etwas zu erleben! Beim Velofahren ist man einfach viel näher dran. Entdeckt man etwas Spannendes, kann man kurz anhalten und es erkunden. Für mich geht es auf einer solchen Reise ums Geniessen und sich Treibenlassen.

Liebe zum Detail, Charme und Fachwerkdörfer

Unseren ersten Kultur-Halt legten wir in Salenstein ein. Wir besuchten das Napoleonmuseum Thurgau auf Schloss Arenenberg. Wir wurden mit einer wunderschönen Aussicht über den Bodensee belohnt. Das Museum ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Besonders gut hat uns gefallen, mit den grossen Filzpantoffeln über den Schuhen durch die altehrwürdigen Räume des Schlosses zu streifen und die Geschichte des letzten Kaisers von Frankreich zu erforschen.

Für mich geht es auf einer solchen Reise ums Geniessen und das sich Treibenlassen.

Von Salenstein ging die Reise weiter nach Gottlieben. Der Thurgau hat eine ganz besondere Lieblichkeit. Die vielen schmucken Fachwerkdörfer, die Rebberge, die weitläufigen Apfelplantagen und die freundlichen Menschen haben ihren ganz speziellen Charme. Wir haben so viel Schönes im Kleinen entdeckt, einfach grossartig!

Die erste Nacht durften wir im Hotel Drachenburg & Waaghaus verbringen. Dieses geschichtsträchtige Haus im Herzen Gottliebens wird von April bis Ende September als innovatives Pop-up Hotel geführt. Praktikant:innen von Schweizer Hotelfachschulen führen dieses traditionsreiche Haus in Eigenregie. Nach viel frischer Luft und einigen Kilometern in den Beinen genossen wir ein wunderbares Nachtessen bei schöner Stimmung im Speisesaal.

Apfelplantagen, Wasserschloss und wohnen im Baudenkmal

Auch Tag zwei hat uns mit seinen Schönheiten in den Bann gezogen. Die Uferlandschaften mit den fast unendlich scheinenden Weiten des Bodensees sind einfach unglaublich toll. Zwischendurch hielten wir an, um durch die Apfelplantagen zu schlendern. Auf einem Bauernhof kehrten wir ein und gönnten uns einen frischen Apfelmost.

Die zweite Etappe führte uns von Gottlieben nach Kreuzlingen und weiter nach Kesswil. Im Restaurant Schiff gab es frischen Fisch zu Mittag. Gestärkt fuhren wir weiter nach Hagenwil. Wir liessen uns die Gelegenheit nicht entgehen und besuchten das 800-jährige Wasserschloss Hagenwil, das einzige noch erhaltene Wasserschloss mit Zugbrücke in der Ostschweiz. Das Schloss wurde sehr stimmig umgebaut und wird jetzt als malerische Eventlocation genutzt.

Das letzte Wegstück führte uns von Hagenwil via Steinebrunn nach Romanshorn. Unterwegs lud uns ein Sonnenblumenfeld am Wegrand zum Blumenpflücken ein. In Romanshorn angekommen, checkten wir bei den Fischerhäusern ein. Diese Gebäude aus dem Jahr 1671 wurden liebevoll restauriert und werden jetzt als Bed and Breakfast geführt. Hier kann man tatsächlich Ferien in einem Baudenkmal verbringen, das ist eine ganz spezielle Erfahrung. Abgerundet wurde dieser Velotag durch ein Picknick am Hafen mit Sonnenuntergang.

Geniessertrip und Mostereimuseum Momö

An unserem letzten E-Bike-Reisetag entschieden wir uns für einen Besuch auf dem Bauernhof «zum Dornenhof» in Steinebrunn. Dabei konnten wir lokale Spezialitäten inklusive Apfelsaft geniessen. Empfehlenswert wäre ein Abstecher nach Arbon ins Mosterei- und Brennereimuseum Momö, wo man erfährt, was man mit Äpfeln alles machen kann. Von Steinebrunn, respektive von Arbon aus, führte unser Weg wieder zurück nach Romanshorn. Hier angekommen, konnten wir unsere gemieteten E-Bikes zurückgeben. Gesättigt von all diesen einzigartigen Eindrücken, wunderbaren Bildern, Stimmungen und gemeinsamen Erlebnissen, blicken wir auf diese facettenreiche Bodensee-E-Bike-Tour zurück.

Das war eine fantastische Kulturreise, ein echter Geniessertrip zum Schwelgen! Am liebsten würde ich jeden grossen See einmal umrunden. Die Kombination von Velo und Wasser übt auf mich eine magische Anziehung aus. Ideen für weitere Veloreisen gibt es viele, mal sehen, was wir als nächstes umsetzen können.

Zur Person Suse Heinz:

Suse Heinz ist Fotografin, Hutmacherin und Kultur- und Veranstaltungsmanagerin. Ihre Sprache sind die Bilder. Stimmungen, Gefühle und Momente einzufangen, das ist Suse Heinz‘ Stärke. Die Begeisterung fürs Velo begleitet Suse Heinz schon lange. Die frühere Mountainbike- und Downhillfahrerin hat schon letztes Jahr für das Magazin der Veloförderung eine E-Bike-Reise organisiert und in Bildern festgehalten.

Route:

1 Tag: Stein am Rhein – Salenstein – Gottlieben ca. 25 Kilometer

2 Tag: Gottlieben – Kreuzlingen – Kesswil – Hagenwil – Romanshorn via Steinebrunn ca. 36 Kilometer

3 Tag: Romanshorn – Aarbon / Besuch Mosterei- und Brennereimuseum Momö / Aarbon – Romanshorn ca. 20 Kilometer oder wahlweise Abstecher auf den Bauernhof «zum Dornenhof» in Steinebrunn

 

Gesamte Route von Stein am Rhein nach Arbon: ca. 71 km

Höhepunkte auf der Strecke:

· Napoleonmuseum Schloss Arenenberg

· Wasserschloss Hagenwil

· Mosterei- und Brennereimuseum Momö

· Veloweg führt oft direkt dem Wasser entlang

· Dörfer und Häfen direkt am See

· Ferien im Baudenkmal

Kulinarik:

· Drachenburg in Gottlieben

· Mittagessen im Restaurant Schiff in Kesswil

Unterkünfte:

· Drachenburg und Waaghaus, Gottlieben

· Fischerhäuser, Romanshorn

Weitere Geschichten