Home Beiträge online Lifestyle Für Lauren Wildbolz fühlt sich Velofahren «total planted based» an

Für Lauren Wildbolz fühlt sich Velofahren «total planted based» an

Lauren hat zwei Leidenschaften: Kochen und Velofahren. Manchmal kann sie beides miteinander verbinden. Das geht mit der mobilen «Markt-Küche» oder mit dem Velokurier für ihr veganes Catering.

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Ich fahre Velo, und das schon seit immer. Ich besitze nicht einmal einen Führerschein – es war einfach nie notwendig.
Mit 17 Jahren zog ich von zu Hause aus, um auf eigenen Beinen zu stehen, unabhängig und selbständig zu sein. Dafür nahm ich einiges in Kauf: Ich putzte Wohnungen und Häuser und modelte zeitweise als Strumpfhosenmannequin – ein Vorteil meiner langen Beine. Eine Berufsberaterin empfahl mir damals, Köchin zu lernen. Das ergab sich aus einem Eignungstest. Doch bis ich tatsächlich zum Kochen fand, machte das Leben noch einige unerwartete, aber letztlich richtige und wichtige Umwege.

Abenteuer auf den Kapverden

Mit 21 Jahren erfüllte ich mir meinen Jugendtraum. Ich zog für fünf Jahre auf die Kapverdischen Inseln, liess mich zur Tauchlehrerin ausbilden und arbeitete in dem Dive-Center, in dem ich meine Ausbildung absolviert hatte. Es war eine fantastische Zeit! Zunächst ging ich jeweils zu Fuss zur Tauchschule, doch bald mietete ich ein Velo. Ich erinnere mich an den starken Gegenwind, der mir oft das Vorankommen erschwerte. Dieses Gefühl ist mir geblieben. Ich musste kräftig in die Pedale treten, um vorwärtszukommen.

Nach meiner Zeit als Tauchlehrerin segelte ich eine Zeit lang mit einem Zweimaster von den Kapverden nach Nordspanien. Das war ein Projekt des damaligen Jugendheims Sternen aus Bern, eine Massnahme für schwererziehbare Jugendliche. Dort kochte ich in der Kombüse zum ersten Mal für eine grössere Gruppe, plante Menüs und musste entsprechend einkaufen. Mehrheitlich kochte ich vegetarisch, aber für die jungen Männer gab es gelegentlich auch Fleisch, welches die Jungs in der Schiffsküche neben mir zubereiteten.

Vom Kochen zur Kunst und zurück

Nach meiner Rückkehr in die Schweiz wurde mir klar, dass ich mir etwas Solides aufbauen wollte. Ich entschied mich für ein Studium und machte meinen Bachelor in Fine Arts. Während dieser Zeit zog ich mit einem Velo, einem Reiskocher und etwas Gemüse los, um an Märkten unter dem Label „Yogi-Vegano Kitchen“ leichte, vegane Gerichte zu kochen.

2010 eröffnete ich dann das erste vegane Restaurant der Schweiz: «Vegan Kitchen and Bakery». Dafür musste ich mein Studium pausieren. Ich führte das Restaurant ein Jahr, dann verkaufte ich es an die Firma Soyana, das Lokal existiert bis heute, bio und vegan! Danach konnte ich meinen Bachelor fertig studieren.

Als Abschlussarbeit für meinen Bachelor betrieb ich ein temporäres Restaurant, in dem ich zwei Wochen lang ausschliesslich mit Lebensmittelabfällen kochte. Ich hatte Bedenken, ob die Dozenten dies akzeptieren würden, zumal ich keinen Hehl daraus machte, dass ich lieber kochte als Kunst schuf. Doch die Idee begeisterte sie – ich erhielt sogar dafür eine Auszeichnung.

Zukunftsvisionen und neue Wege

Ich bin Autodidaktin und liebe es, an verschiedenen Projekten gleichzeitig zu arbeiten. Deshalb entschied ich mich nach einer Weile noch für einen Master in Transdisziplinarität in Fine Arts. Im Rahmen dieses Studiums thematisierte ich „Hunger auf Erde“ – indem ich Drecks-Keckse backte. In vielen Teilen der Welt wird Erde als Magenfüller gegen Hunger gegessen, und darauf wollte ich aufmerksam machen.

Nach dem Master gründete ich mein Unternehmen „Future Cuisine“. Ich bot vegane Caterings für Firmen und Hochzeiten an, hielt Vorträge über die Zukunft der Ernährung und inspirierte Köche zu veganen Konzepten für ihre Restaurants. Für meine Caterings habe ich übrigens stets mit Velokurieren zusammengearbeitet. Das hat super funktioniert.

Beim Velofahren kommen mir die besten Ideen. Ich kann Geschmäcker im Kopf kombinieren, ohne sie vorher testen zu müssen.

Doch nach Jahren in der Transdisziplinarität, mit den unterschiedlichen Geschäftssträngen merkte ich, dass ich mich mehr fokussieren möchte. Statt an sieben Projekten gleichzeitig zu arbeiten, entschied ich mich reinzuzoomen und meine Energie und mein ganzes Ernährungswissen auf eines zu konzentrieren.

Vollwertige Shakes für den Alltag

Mein neues Herzensprojekt heisst „Miss Liquid“ – Milchshakes, die als vollwertige Mahlzeiten dienen sollen. Dabei habe ich lange in meiner Entwicklungsküche getüftelt. Nun ist es an der Zeit, sie auf den Markt zu bringen. Als Workaholic wollte ich etwas schaffen, das Genuss und Nährwert vereint: 6-dl-Shakes, die satt machen und praktisch „on the go“ genossen werden können. Sie sind ideal für alle, die sich gesund ernähren wollen, ohne dabei die Tastatur mit Krümeln zu übersäen.

Im April 2025 öffneten der erste, festen Store in einem Shop-in-Shop-Konzept am Bahnhof Enge. Ab Mai folgt ein dreimonatiges Pop-up am Hauptbahnhof. Langfristig plane ich noch weitere Take-away-Filialen.

Mein treuer Begleiter: Das Lastenvelo

Egal, wohin mich das Leben führt – mein Velo ist immer dabei. Ich fahre jeden Tag, bei jedem Wetter. Das ist mein Pakt mit meinen Knien. Mit 19 riet man mir zu einer Operation, doch ich beschloss stattdessen, täglich Velo zu fahren. Das hilft meinen Gelenken, und ich fühle mich dabei frei und flexibel. Nicht Velo zu fahren, fühlt sich an wie Stillstand.

Ich nutze ein Cargo-Velo, ein rotes Christiania-Bike mit E-Unterstützung. Es hat drei Räder, was besonders bei Regen und Schnee praktisch ist, weil es so stabil ist und man nicht ausrutscht. Auch wenn mal ein Reifen platt ist, hat man immer noch zwei intakte Räder. Damit habe ich sogar schon einen Tiefkühler transportiert!

Mein Vater hat mir vorne einen Ferrari-Aufkleber angebracht – deshalb nenne ich mein Cargo-Velo liebevoll meinen „Ferrari“.

Velo in der Stadt: Herausforderungen und Wünsche

In Zürich gibt es viele tolle Velowege, doch leider enden sie oft abrupt. Ich wünschte mir ein Velonetz, das dem in Kopenhagen gleicht – insbesondere breitere Wege wären hilfreich und erst diese Grün-Licht-Wellen, fantastisch! Meine 11-jährige Tochter nehme ich oft lieber in mein Cargo-Velo, weil ich die Strassen zu gefährlich finde, um sie selbst fahren zu lassen.

Was ich mir wünsche: Mehr Toleranz zwischen Auto- und Velofahrenden. Es wäre schön, wenn unsere Anstrengung, das Klima zu schonen, mehr Wertschätzung erfahren würde.

Ein Blick in die Zukunft

Beim Velofahren kommen mir die besten Ideen. Ich kann Geschmäcker im Kopf kombinieren, ohne sie vorher testen zu müssen. Meine Geschmackserfahrungen halfen mir auch jetzt bei der Entwicklung meiner „Miss Liquid“-Shakes.

Mein Velo bleibt auch in Zukunft ein wichtiger Begleiter. Es bringt mich schnell von A nach B, unterstützt meine Arbeit und gibt mir das Gefühl von Freiheit. Dank der Flexibilität, die mir das Velo bietet, kann ich ganz schön viel in einen Tag packen. Velofahren fühlt sich für mich übrigens sehr «planted based» an, weil es einfach gesund und frisch ist. Und wenn mal ein Mixer aussteigt, bin ich mit dem Velo blitzschnell mit einem Ersatzgerät vor Ort. Es gibt einfach nichts Besseres!

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