Menschen
Doro Staub, 48, Texterin Veloferien im Kanton Zürich – das wärs doch! Aufgezeichnet von Christian Nill

Meine erste Erinnerung ans Velofahren ist: Das schaukelt ja ständig! Das lag daran, dass mein Fahrrad damals noch Stützräder hatte. Und die waren nicht auf der gleichen Höhe fixiert. Also kippte ich immer von links nach rechts und wieder zurück. Dabei lernte ich auch gleich eine ganz wichtige Lektion: Vertrauen haben! Nämlich einfach darauf vertrauen, dass mich mein Rad dann schon auffängt. Und so ist es geblieben, bis heute, wenn auch im übertragenen Sinn:

Mein Velo fängt mich auf.

Wenn ich genug habe vom Stillsitzen am Computer, fahre ich mit dem Fahrrad raus in die Natur. Sei dies in Italien, wo ich viel Zeit verbringe, oder im Zürcher Oberland, wo ich lebe. Das spielt eigentlich keine Rolle, denn sobald ich mal auf meinen zwei Rädern bin, fühle ich mich frei. Klingt pathetisch, ist aber so. Das begann schon in der Schule. In der Gymizeit war ich froh, mit dem eigenen Velo, anstatt im stickigen Bus voll mit lauten Gymischülern zur Schule fahren zu können. Ich hatte schon immer den Drang, frei, unabhängig und meine eigene Meisterin zu sein.

Ich bin am Regensberger aufgewachsen und fuhr ihn oft auch nach der Schule hoch. Manchmal war ich auch mit meiner drei Jahre älteren Schwester unterwegs. Wir fühlten uns an keine Regeln gebunden und ignorierten einmal sogar eine Strassensperre – weil die Strasse dort normalerweise immer frei befahrbar war. Also setzten wir uns einfach über die Sperre hinweg. Und landeten mitten in einem Schiessübungsgebiet, in dem über die Strasse hinweg geschossen wurde. Die Aufregung war riesig! Zum Glück ist nichts passiert, aber das Donnerwetter, das folgte, war laut.

Lieber draussen

Eine Zeitlang arbeitete ich als Bibliothekarin. Irgendwann merkte ich aber, dass ich eingehe, wenn ich nur drinnen arbeiten kann. Also verliess ich diesen Job – und auch gleich diese Art von Leben. Ich entschied mich für das ortsunabhängige Arbeiten als Texterin, Bloggerin und Reisejournalistin. Im Fokus: natürlich das Velo. Als ich für längere Zeit in Italien lebte, zeigte mir mein damaliger Freund auf dem Velosattel viele unbekannte Orte dieses schönen Landes. Da habe ich das Potenzial erkannt: Veloreisen in Italien! Dieses Land ist so cool, die Infrastruktur ist teilweise einfach noch nicht à jour. Aber gerade für Menschen, die sich lieber auf dem e-Bike fortbewegen, sehe ich grandiose Möglichkeiten, etwa in den Apennin-Regionen wie Marken oder Abruzzen.

Als digitale Nomadin bin ich selber viel am Reisen, normalerweise mit meinem Velo «Allegra». Dann nehme ich es auch mit in den Zug. Gerade auf Reisen nach Italien gleicht das einem kleinen Abenteuer! Das geht wohl vielen Menschen so, denn auf meinem Blog Miss Move erhalte ich viele Anfragen, wie ich denn das machen würde, mit dem Velo im Zug nach Italien. Dazu habe ich einen Blogbeitrag verfasst, in dem ich meine Erfahrungen teile und eine Anleitung gebe.

Schöne Momente sammeln

Die schönsten Momente auf meinem Velo sind jene, wo ich einfach nur pedale. Wenn die Sonne scheint, es warm ist, neben mir das Meer oder auf einer Runde im Zürcher Oberland. Dort könnte man übrigens ebenfalls tolle Velo-Rundreisen anbieten. Da gibt es so viele schöne Orte! Aber ich schweife ab.

Ich liebe es, bergwärts zu fahren! Wenn ich meinen Körper zu spüren beginne, wenn ich an meine Grenzen komme, da fühle ich mich so richtig lebendig. Ich liebe es, Pässe hochzufahren – mit meinem zehnjährigen, meist gut bepackten Velo, bis ich fast nicht mehr kann. Und dann noch die letzten Meter: Was für ein Glücksgefühl, wenn ich dann oben auf dem Berg stehe, wie zum Beispiel auf dem Stilfser Joch, wow! Dann futtere ich erst einmal etwas, gehe herum, plaudere mit anderen Velölern. Und geniesse meine Freiheit.

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