Es ist schon erstaunlich: Gewisse Jugendliche verzichten freiwillig auf ein Schutzblech an ihrem Velo – da es vermutlich spiessig und zu wenig cool ist. Da radeln sie dann, diese Teenager – dazu gehört auch mein bald erwachsener Sohn – ohne Schutzbleche in die Schulen und zum Lehrbetrieb. Der braune Streifen auf Rücken und Po ist wohl gerade «in», jedenfalls scheint er nicht zu stören. Andere Familienmitglieder können das aber nicht von sich behaupten. So fahren sie also durch strömenden Regen, die Frisur etwas zwischen nassem Pudel und Bobtail. Regenhosen? Fehlanzeige. Regenjacke? Total überbewertet – aber kein neuzeitliches Phänomen.
Lieber erkältet als doofe Regenkleidung
Irgendwie scheinen die Jungen von heute immun gegen sämtliche Wetterkapriolen zu sein. Stets sieht man sie im selben Outfit: Baggy-Jeans und Hoodie – eine Art «freiwillige» Schuluniform. Sie trotzen Wind und Wetter, vermeintlich. Fünf Tage später haben die Eltern dann das Nachsehen und einen kränkelnden Teenie mit Triefnase zu Hause, der einem sterbenden Schwan Konkurrenz machen könnte.
Doch weshalb sind die jungen Velopendlerinnen und Velopendler so störrisch, wenn es um gute, angemessene Kleidung und ein bisschen Blech an ihren Velos geht? Zugegeben, die Baggy-Jeans lassen sich auch wirklich sehr schlecht in Regenhosen verstauen.
Das Stilbewusstsein der jungen Erwachsenen könnte das wohl schlicht nicht verkraften, oder ist es bloss Unerfahrenheit und Bequemlichkeit? Regenkleidung an- und ausziehen braucht ein wenig Zeit und diese haben die Teenies ja meist nicht, weil der Wecker fünf Minuten bevor sie aus dem Haus müssen zum hundertfünfzigsten Mal klingelt – Snooze sei Dank!
Nach den wilden Jahren übernimmt die Vernunft
Vermutlich ist der Grund aber eher wilderer, rebellischer Natur. Schon Chris von Rohr, Bassist der Schweizer Rockband Krokus, hat es gewusst: Manchmal braucht es wohl einfach «meh Dräck»!
Und könnte man eine kurze Zeitblende machen, dann würde man dieselben heutigen Teenager in ein paar Jahren mit Schutzblech, leuchtgelber Pellerine und Schuhschützern pedalieren sehen. Denn auch der sturste Teenager kommt einmal zur Vernunft. Seien Sie unbesorgt, ich habe die Hoffnung zumindest noch nicht aufgegeben: Die eigenen Erfahrungen werden es richten – Hauptsache die Kinder fahren Velo!