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Bubiker Schulreise: Mit dem Velo ans Mittelmeer

Jugendliche der Sekundarschule Bubikon fahren gemeinsam bis ans Mittelmeer. Die Reise fordert Ausdauer, Teamgeist und Durchhaltewillen – und schafft Erinnerungen fürs Leben.

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Von einer Abschlussreise zur Tradition

Was vor zehn Jahren als Abschlussreise einer einzelnen dritten Sekundarklasse begann, ist heute fester Bestandteil der Sekundarschule Bubikon. Jedes Jahr fahren Jugendliche mit dem Velo ans Mittelmeer – eine Reise, die längst zur Tradition geworden ist. Inzwischen steht dahinter ein erprobtes und gut organisiertes Konzept.

Wer sich darauf einlässt, verlässt für zehn Tage seine Komfortzone. Für die Schülerinnen und Schüler ist es ein einmaliges Abenteuer: Gereist wird per Velo, übernachtet wird im Zelt. In acht Tagesetappen führt die Strecke von Bubikon nach «Martigues» in Südfrankreich, irgendwo zwischen Les-Saintes-Maries-de-la-Mer und Marseille an der Côte Bleue.

Auf Probetour

Die Reise ans Meer organisiert Tobias Brechbühl, Sekundarschullehrer in Bubikon. Vor der Tour sind viele Jugendliche unsicher: Schaffe ich das überhaupt? Andere wiederum unterschätzen die Herausforderung. Deshalb gehört eine Probetour zur Vorbereitung.

Dabei erleben die Jugendlichen, wie es sich anfühlt, an einem Tag mehr als 90 Kilometer Velo zu fahren. Die Probetour fand bereits an einem Samstag im April bei besten Wetterbedingungen statt. Am Ende blieb sogar noch Zeit, vor dem angekündigten Regen die Zelte probehalber aufzubauen – auch das will vor der grossen Reise geübt sein.

Vorbereitung ist entscheidend

Fast alle Teilnehmenden kennen ältere Geschwister, Freunde oder Nachbarn, die bereits an der legendären Velotour teilgenommen haben. Deshalb kann man sich oft untereinander mit Zelten, Packtaschen oder sogar Velos aushelfen. Tobias Brechbühl kontrollierte schon mal alle Velos im Vorfeld. Zudem besuchten die Teilnehmenden gemeinsam einen Velomechaniker. Der machte je nach Zustand der Räder Reparatur- oder Instandsetzungsempfehlungen. Sicherheit steht an erster Stelle. Ein gut gewartetes Velo erleichtert ausserdem die langen Etappen.

Auch das richtige Packen will gelernt sein. Regenjacke, Snacks, Trinkflasche, Sonnenschutz und Flickzeug führen die Jugendlichen selbst mit. Restliches Gepäck wird im Begleitfahrzeug transportiert.

Das Begleitteam

Eine Schlüsselrolle übernimmt das Begleitteam von zehn Personen, acht mit dem Velo und zwei mit dem Auto. Letztere organisieren den Alltag von unterwegs und sorgen für einen reibungslosen Ablauf. Am Morgen stehen sie als Erste auf und bereiten ein Frühstücksbuffet vor. Nachdem sie alles kontrolliert haben, sind sie die Letzten, die den Campingplatz verlassen. Anschliessend fahren sie zum nächsten Einkaufsort und bringen Nachschub zur Verpflegung zum Mittagsrastplatz, wo sie das Mittagessen vorbereiten. Denn wer täglich so viele Stunden Velo fährt, benötigt vor allem eines: viel Energie.

Am Abend verpflegt sich die Gruppe meist auf dem Campingplatz oder gelegentlich auch in einem Restaurant. Jedenfalls ist die tatkräftige Unterstützung des Begleitteams für die gesamte Reise unverzichtbar.

Schon immer war die Velotour ein organisatorisches Mammutprojekt. Dieses Jahr nehmen besonders viele Jugendliche teil. Entsprechend schwierig war es, im Vorfeld geeignete Campingplätze mit genügend Raum für alle Zelte und mit ausreichend sanitären Anlagen zu finden.

Grenzen überwinden

Nicht immer spielt das Wetter mit. Auch wenn die Gruppen bisher oft Glück hatten, gehören Regentage dazu – manchmal auch starker Dauerregen. Nasse Kleider, feuchte Zelte und klamme Schlafsäcke können auf das Gemüt schlagen.

Dazu kommen körperliche Beschwerden. Sitzschmerzen gehören fast immer dazu, ebenso Muskelkater oder Erschöpfung. Manche Jugendliche kämpfen unterwegs auch mit Heimweh oder Selbstzweifeln. In einzelnen Fällen treten Knieschmerzen auf oder jemand übernimmt sich. So kann es vorkommen, dass Teilnehmende die Reise abbrechen müssen. Auch Stürze sind trotz aller Vorsicht leider nie ganz ausgeschlossen.

Ausserdem sind die Jugendlichen während der Reise ständig als Gruppe unterwegs und haben kaum Rückzugsmöglichkeiten. Auch das ist eine Herausforderung.

In manchen Momenten greift das Leitungsteam ein. Ist jemand am Limit, kann es vorkommen, im Begleitfahrzeug einen halben Tag mitfzufahren, um sich zu erholen. Ziel ist es jedoch, dass alle möglichst die gesamte Strecke aus eigener Kraft bewältigen.

Gemeinschaft, Motivation und Ziel

Im Mittelpunkt der Reise steht das Gemeinschaftserlebnis. Die Jugendlichen motivieren sich gegenseitig, helfen einander und wachsen oft über sich hinaus. Ein Grundsatz lautet: Am Berg wird nicht abgestiegen. «Auf dem Sattel bleiben» ist dabei nicht nur körperlich, sondern auch mental entscheidend, weiss Tobias aus Erfahrung.

Besonders anstrengend sind meist die ersten Tage. Danach gewöhnen sich Körper und Alltag an den Rhythmus der Reise. Ab etwa dem vierten Tag läuft vieles einfacher und die Zeit vergeht schneller.

Der Tagesablauf ist klar strukturiert: Um 7 Uhr beginnt der Tag mit Frühstück, danach startet die erste Etappe. Die Schülerinnen und Schüler fahren zunächst «auf Sicht», damit die Gruppe zusammenbleibt. Am Nachmittag fahren die Jugendlichen in Gruppen, sodass auch schnellere Teilnehmende auf ihre Kosten kommen – stets begleitet von einer Leitperson. Alle tragen Leuchtwesten. Unterwegs ist man möglichst auf Velowegen, teilweise aber auch auf Neben- oder Hauptstrassen. Sicherheit hat jederzeit höchste Priorität.

Entscheidend ist die Motivation. Wer wirklich mit dem Velo ans Meer fahren will, bringt die nötige Ausdauer eher mit. Wer nur wegen der schulfreien Zeit oder wegen Freunden teilnimmt, stösst schneller an Grenzen.

Die Reise hinterlässt bleibende Erinnerungen. Ein Schüler meinte im Interview: «Davon werde ich noch meinen Kindern erzählen.» Viele freuen sich besonders auf die gemeinsame Zeit mit Freunden – und natürlich auf den Sprung ins Meer nach fast 930 Kilometern im Sattel.

Lernen für unterwegs

Auch die Probetour lieferte wichtige Erkenntnisse. Einige Jugendliche merkten, dass sie zu wenig gegessen hatten. Tobias Brechbühl empfiehlt deshalb, regelmässig kleine Snacks zu essen und genug zu trinken, damit das Energielevel über den ganzen Tag erhalten bleibt.

Finanziert wird das Projekt durch Elternbeiträge, durch Unterstützung von Jugend+Sport sowie durch Beiträge der Schulgemeinde Bubikon. Die Begleitpersonen erhalten lediglich eine kleine Entschädigung. Viele engagieren sich seit vielen Jahren freiwillig für die Reise – darunter Lehrpersonen und externe Helferinnen und Helfer. Ohne ihren Einsatz wäre das Vorhaben nicht möglich.

Nach intensiver Vorbereitung und vielen Stunden mit dem Velo unterwegs, wartet am Ende ein besonderer Moment: der erste Blick aufs Mittelmeer. In diesem Augenblick treten alle Strapazen in den Hintergrund – und eines wird spürbar: das Gefühl, gemeinsam etwas Aussergewöhnliches geleistet zu haben.

Bonne chance!

Fakten zur Tour
  • Teilnehmende: 40 Jugendliche
  • Helferinnen, Helfer und Begleitpersonen: 10 (8 auf dem Velo, 2 im Begleitfahrzeug)
  • Zelte: ca. 21
  • Distanz: ca. 930 Kilometer
  • Höhenmeter: ca. 4’100
  • Reisetage auf dem Velo: 8
  • Zu überquerende Brücken: unzählige 😅
  • Veloschläuche, die gewechselt werden müssen: 5–10
  • Wasserflaschen, die ausgetrunken werden: ca. 200

 

Der Blog zur Veloreise

https://veloreise-bubikon.weebly.com/

Wer die Sekundarschule auf ihrer Veloreise live begleiten möchte, kann dies über ihren Blog tun.

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