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Beat Zäch, 57, Velo King Ich habe einen Velolieferdienst, der auch mal Fonduestübli ist! Aufgezeichnet von Cornelia Schlatter

Für mich war es nicht immer leicht. Ich musste einige Rückschläge in meinem Leben verkraften. Doch mein Name ist Programm: Ich heisse Zäch und ich bin es auch. Auf Umwegen bin ich zu meinem Velo und der Begeisterung fürs Velofahren gekommen. Als Kind hatte ich nie ein Velo. Erst als Erwachsener bekam ich eines von meinem Schwager geschenkt. Das hat bei mir so einiges ins Rollen gebracht.

Ursprünglich lernte ich Bäcker-Konditor und fing sogar eine Zweitlehre als Koch an. Im Kulinarischen bin ich ziemlich durch. Da habe ich viel zu bieten. 1998 war ich für zwei Jahre selbständig. Während dieser Zeit hatte ich ein «Wägeli», den Brötli-Blitz. Damit verkaufte ich über 70’000 Gipfeli.

Verpflegung für unterwegs

Gerne bin ich draussen in der Natur unterwegs. Dabei stellte ich fest, dass man sich kaum auf einem Veloweg in der Schweiz verpflegen kann. Das fand ich eine echte Marktlücke. Weshalb es doch eine tolle Sache und Bereicherung ist, wenn eine Familie auf ihrer Velotour eine kurze Pause einlegen und beispielsweise ein feines Glacé geniessen kann.

Es macht mich glücklich, wenn ich in die strahlenden Gesichter der Kinder blicken kann, die mir mit ihren, von der Globine-Glacé blaugefärbten Zungen, zulächeln. Für mich sind das Momente, die mir zeigen, wofür ich so lange gekämpft habe, um meinen Traum zu realisieren.

Ich bin ein Mann für alle Fälle – als Velo King erledige ich Botengänge aller Art.

Die initiale Idee hatte ich 2019 und stiess dieses Projekt an. Seit Herbst 2020 bin ich stolzer Besitzer meines Elektro-Lastenvelos und seither als VELO KING unterwegs. Ich bin der Mann für alle Fälle. Mich kann man anrufen und ich erledige Botengänge aller Art: Vom Einkaufstaschen heimtransportieren, übers Entsorgen, bis hin zum Glacéverkauf oder Raclette- und Fondueplausch – man kann mich für fast alles buchen. Auch für Firmenanlässe lasse ich mich gerne engagieren. Die Mindesteinsatzzeit vor Ort beträgt eine halbe Stunde, sonst lohnt es sich kaum. Es hat viel gebraucht, bis ich mein Velo hatte, ich musste Sponsoren finden und mir erst mal einen Namen machen.

Velofahren ist gut für die Umwelt

Einmal die Woche bin ich für Mister Green in Uster unterwegs. Dort sammle ich jeweils zwischen 50 und 60 der grünen Abfallsäcke ein. Dem Abfall werden anschliessend Wertstoffe entnommen und recycelt. Das empfinde ich als sehr sinnvolle Tätigkeit. Der Umweltaspekt ist für mich ohnehin sehr wichtig. Da möchte ich meinen Beitrag leisten. Velofahren empfinde ich äusserst ökologisch, nachhaltig und man tut erst noch etwas Gutes für seine Gesundheit.

Obwohl mein Lastenvelo 125 cm hoch, 150 cm lang und 80 cm breit ist, komme ich fast überall damit durch. Speziell bei Einkaufstransporten gelange ich mit meinem Gefährt oft viel besser und schneller zu den Wohnblöcken als mit einem Auto. Besonders in verwinkelten Wohnsiedlungen ist das ein Vorteil. Nur zu steil sollte das Gelände nicht sein, weil mein Elektro-Lasten-Velo ein Leergewicht von 165 Kilogramm hat. Sonst komme ich den Berg nicht hoch.

Wünsche an Petrus und die Veloinfrastruktur

Bei der Veloinfrastruktur wünsche ich mir, dass die Risse im Asphalt zügiger ausgebessert und Velowege besser ausgebaut werden. Es braucht eindeutig mehr Rampen. Meinem Lastenvelo tut es nicht gut, wenn es zu oft Schläge auf die Felgen bekommt. Ich fahre zwischen 7’000 und 8’000 Kilometer pro Jahr, da sieht man einiges mit Verbesserungspotenzial.

Jetzt kommt dann bald der Winter. Sobald es Schnee hat und glatt ist, kann ich nicht mehr unterwegs sein. Das Salz geht in die Kette und die Naben und macht vieles kaputt. Deshalb wünschte ich mir, dass man mich für die Wintermonate vermehrt für Indoor-Anlässe buchen würde. Letztes Jahr war ich am 6. Dezember als Samichlaus unterwegs und habe Nüsse und Mandarinen verteilt. Das hat wirklich Spass gemacht und ist gut angekommen bei den Leuten. Hoffentlich kann ich das dieses Jahr auch wieder machen.

Träumen erlaubt

Für mich ist es einfach unglaublich schön, dass ich das Projekt VELO KING mit dem Lastenvelo realisieren konnte. Ich hatte nicht erwartet, dass es tatsächlich klappt.

Doch ich habe noch nicht ausgeträumt: Die Menschen realisieren, wie schön es ist, raus in die Natur zu gehen. Das wird noch zunehmen. Ich wünsche mir, mehr Velo-Enthusiasten wie mich zu treffen, mit denen ich mein Projekt weiter vorantreiben kann. Ich träume davon, eine kleine Flotte aufbauen zu können – doch das ist Zukunftsmusik.

Infobox – Velo King

Wir von der Veloförderung finden es mutig, dass Beat Zäch trotz der Rückschläge in seinem Leben seine vielseitigen Begabungen nutzt und verschiedenste Dienstleistungen rund um sein Transportvelo anbietet:

– Einkaufen
– Entsorgen
– Botengänge
– Taxifahrten
– Fondue- und Racletteplausch
– Crêpes und Waffeln
– Glacéverkauf
– Brotvelo (Lieferdienst von frischem Brot)
– Stör-Kochen
– Kafibike
– Tête à tête
– Kindergeburtstage

Anfragen, Umkreis und Standplätze

☎ 076 383 71 14

Uster, Hinwil, Wald, Laupen, Tösstal Veloweg, TCS Parkplatz Tablat, weitere TCS-Parkplätze in der Umgebung, Wetzikon.

Falls jemand Beat beispielsweise beim Bau einer Velo-King-Webseite oder auch anderweitig unterstützen möchte, meldet sich bei ihm. Danke.

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