Lifestyle
Aitor Henao, 38, Head of Marketing & Communications Die Teilnahme am Ironman war Initialzündung fürs Velofahren Aufgezeichnet von Cornelia Schlatter

Bevor ich ein Fahrrad hatte, besass ich ein Segelschiff. Ich stamme ursprünglich aus Mallorca und verschrieb mich lange Zeit ganz dem Segelsport. Meine Liebe zum Velo und zum Velofahren ist eher langsam gewachsen und mehr oder weniger zufällig entstanden. Mein erstes Velo war zudem rosa und das fand ich gar nicht toll.

Eigentlich ist es erstaunlich, dass ich erst vor gut acht Jahren meine Leidenschaft fürs Velo entdeckt habe, schliesslich komme ich von einer Insel, die bekannt für Ihre grossartigen Landschaften zum Velofahren ist. Viele Velofahrer kommen extra nach Mallorca, um dort Veloferien zu verbringen.

Initialzündung Ironman

Durch die Liebe kam ich vor gut 13 Jahren in die Schweiz. Und ich bin geblieben. Ich hatte schon immer einen starken Bezug zum Sport. Diese Nähe ist auch meinem Beruf geschuldet. Ich bin Leiter Marketing & Kommunikation in der Sportbranche und habe täglich mit Athleten aus verschiedensten Disziplinen zu tun. Das kann sehr inspirierend sein.

Ein Freund von mir hat an Ironman-Wettkämpfen teilgenommen und ich wollte das auch mal ausprobieren. Da ich ein guter Schwimmer bin und auch ein ausdauernder Läufer dachte ich, dass ich das schaffen könnte. Das Velofahren nahm ich dabei einfach in Kauf, da es nun mal dazugehörte und ich diese Disziplin auch bestreiten musste, um am Ironman zu starten. Bis dahin hatte ich keinerlei Erfahrung mit Velofahren. Die Ironman-Teilnahme war die Initialzündung zu meiner «Velokarriere». Seit der Ironman-Zeit habe ich voll aufs Velo gesetzt. Velofahren deckt für mich vieles ab. Es ist meine Passion, ein super Training und ich kann es gemeinsam mit Freunden ausüben.

Die Schweiz ist zum Velofahren einfach perfekt

Mental bin ich sehr stark. Das ist ein Vorteil. Aber auch sonst habe ich mich nie speziell auf einen Wettkampf vorbereitet. Ich hatte nie einen Trainings- oder Ernährungsplan und bereite mich meist intuitiv vor. Natürlich habe ich dabei auch schon meine Grenzen gespürt und hätte gern mein Velo dem Nächstbesten für 10 Franken verkauft, weil es so unendlich streng war. Solche Erfahrungen machte ich bei so verrückten Rennen wie dem Strade Bianche in Italien oder beim Swissman Triathlon hier in der Schweiz.

Mit dem Velo fast alles erreichen

Mittlerweile besitze sieben Velos: darunter ein Cyclocross, ein Mountainbike, ein Triathlon-Velo, ein City-Bike, ein Gravelbike und natürlich noch zwei Rennvelos. Mit dem Cyclocross, einem Velo mit grösseren Reifen und einem griffigeren Profil, kann ich sogar im Winter unterwegs sein.

Die Schweiz ist einfach das perfekte Land zum Velofahren. Die Pässe und Panoramen sind einzigartig, es gibt für mich nichts Besseres. Ich mag es, draussen zu sein, die Natur zu erleben. Mir gefällt auch das Schweizer Sprichwort: «Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung», ich finde das ziemlich treffend. Es ist oft einfach eine Entscheidung und Einstellungssache.

Früher arbeitete ich für einen Sportbekleidungshersteller im Kanton Zug. Ich bin jeden Tag mit dem Velo von Zürich dorthin gependelt. Pro Weg brauchte ich zwischen 60 und 80 Minuten. So konnte ich den Sport gleich in meinen Tagesablauf einbauen. Ich fahre jährlich zwischen 15’000 und 20’000 Kilometer. Wenn Freunde für ein Wochenende nach Zermatt gehen, nehme ich das Velo und fahre von Zürich nach Zermatt. Es ist einfach cool zu wissen, dass ich jederzeit das Velo nehmen und damit fast alles erreichen kann.

Toleranz, Respekt und gegenseitiges Verständnis

Ich wünsche mir, dass immer mehr Arbeitgeber ihren Mitarbeitern, die gerne mit dem Velo zur Arbeit kommen möchten, Duschen zur Verfügung stellen. Es braucht Anreize, um die Menschen dazu zu bewegen, sich fürs Velo zu entscheiden. Für mich ist dabei der Umweltgedanke ein positives «Add-on». Ich finde es auch super, wenn Leute sich ein E-Bike anschaffen und damit von weiter her zur Arbeit pendeln. Ein E-Bike ist für mich zurzeit aber noch kein Thema. Aber wer weiss, eines Tages vielleicht.

In der Schweiz finde ich die Veloinfrastruktur grundsätzlich gut. Klar könnte man noch mehr Velowege bauen. Aber aus meiner Sicht liegt es zum Teil eher an der Erziehung der Verkehrsteilnehmer. Oftmals benehmen sich Velofahrer und Autofahrer, aber auch Motorradfahrer sehr zickig. Es braucht mehr Toleranz, Respekt und gegenseitiges Verständnis. Vielen Velofahrern mangelt es auch an Übung. Das macht es dann auch gefährlich. Ich fühle mich deshalb manchmal auf der Strasse sicherer als auf dem Veloweg.

Ausserdem finde ich, die öffentlichen Verkehrsmittel sollten velofreundlicher werden. Damit meine ich, dass sie mehr Platz für Gruppen zur Verfügung stellen sollten, die gerne ihr Velo mitnehmen möchten. Da bin ich mit meinen Freunden schon mehrfach angerannt.

Velomomente mit Freunden

Ich habe so viele tolle Erinnerungen an Touren mit Kollegen und an Reisen mit dem Velo: Ich war schon in Norwegen, Italien, Spanien, den Dolomiten und natürlich habe ich die ganze Schweiz gesehen. Einzig den Lukmanier- und den Simplonpass habe ich noch nicht geschafft, das hat sich bis jetzt einfach nicht ergeben.

Velofahren hat für mich auch einen grossen sozialen Aspekt: Für mich ist es immer wieder schön zu sehen, wenn ich Kollegen aus meinem Freundeskreis dazu motivieren kann, auch mit dem Velofahren anzufangen. Ich mache dies auch ein bisschen aus Egoismus. Ich möchte mit ihnen Zeit verbringen aber gleichzeitig auch meine Passion ausüben dürfen. Am Schluss ist es eine Win-Win-Situation.

Weitere Geschichten